Auf den letzten Drücker - Christo-Ausstellung in Brühl
Autorin: Andrea Hillebrand
Beinahe hätte es wieder nicht geklappt. Denn obwohl die Ausstellung „Wrapped. Die Kunst von Christo und Jeanne Claude aus der Sammlung Würth“ von Mai bis September im Brühler Max Ernst Museum präsentiert wurde, hatte ich es bis jetzt nicht geschafft hinzugehen. Doch am letzten Ausstellungstag wurde die Absichtserklärung endlich von der Tat abgelöst.
Und das hat sich gelohnt. Zu sehen waren insgesamt etwa 70 Objekte: Vorskizzen, Modelle und Fotos der aufmerksamkeitsstarken Aktionen des Künstlerpaares. Ein Glück, wer den verhüllten Reichstag live gesehen hat oder die spektakulären Gates im Central Park. Doch obwohl ich beides verpasst hatte – alle Aktionen des Paares sind auf zwei Wochen begrenzt und werden dann rigoros abgebaut – konnten mich die in Brühl versammelten Relikte beeindrucken.
Bevor eines der geplanten Projekte realisiert wird, werden zahlreiche Planungsskizzen erstellt, die die Basis für die Antrags- und Genehmigungsarie sind, die im Vorfeld stattfinden muss. Jede einzelne dieser Christo-Skizzen ist großartig, beeindruckt durch einen besonderen expressiven Stil und überrascht oftmals auch durch eine unauffällige Mixtur von Materialien. Übrigens, durch den Verkauf dieser Skizzen, der Modelle und auch der Fotos finanziert Christo – seine Frau und Partnerin Jeanne Claude ist im letzten Jahr verstorben – die weiteren Projekte.
Ich hoffe nun sehr, dass das für 2013 geplante Projekt „Over the River“, eine Verhüllung des Arcansas Rivers im amerikanischen Colorado, tatsächlich realisiert wird und dass ich das dann ebenfalls nicht verpasse, selbst wenn es erst auf den letzten Drücker klappt.
Weitere Informationen über Christo, Jeanne Claude und die Projekte hat Werner Spies in der zur Ausstellung erschienen Publikation „Christo und Jeanne-Claude: Grenzverlegung der Utopie“ (Berlin, 2010) zusammengestellt.



