Bremsen, nicht Design gewinnt Energie

Autorin: Nanett Dietz

 

 

Es war eine Überzeugungstat: Ohne Probefahrt hat sich Pronomen im Sommer dieses Jahres ein Hybridauto, den Toyota Prius, als Firmenfahrzeug angeschafft. Nach einigen Höhen und Tiefen hat der Wagen nun den Agenturtest bestanden.

 

Eigentlich sollte das Auto außen weiß und innen caramelbraun sein und ein dickes, griffiges Lederlenkrad bekommen. Doch dann stand ein Prius in schwarzem Lack mit hellgrauem Innenleben beim Händler. Durch dessen gutes Angebot und gewinnendes Wesen siegte die Vernunft komplett und wir nahmen das Modell vom Hof. Schließlich ging es a) nur um ein Fortbewegungsmittel und b) um ökologischen Fortschritt. Wer will da kleinlich sein? Allerdings: Sitzheizung, so Energie raubend sie auch sein mag, musste noch hinein. Diese Anschaffung ist nun schon rund 9.000 Kilometer her.

 

Alle Mitarbeiter wollten ihn Probe fahren, um zu wissen, wie sich ein Hybridauto so anlässt. Meist war die Überraschung groß, weil es zunächst tatsächlich kaum einen Laut von sich gibt. In verkehrsberuhigten Straßen sollte man also wissen, dass man sich fast lautlos an Mitmenschen, Hunde oder Vögel anschleicht! So ist es kein Wunder, wenn niemand Platz macht. Auch beim Fahren auf der Autobahn ist der Wagen bis zu einer Geschwindigkeit von etwa 140 Stundenkilometern angenehm ruhig und geeignet zum Telefonieren. Das Gasgeben allerdings ist richtig laut und man könnte meinen, man säße in einem Sportwagen. Ein gutes Gefühl. Ob Toyota die Prius-Fahrer auf diese Weise daran erinnern will, mit dem rechten Pedal umweltschonend umzugehen?

 

Schließlich könnte man das Auto mit 4,2 Litern Super bleifrei auf hundert Kilometern bewegen. Ob wir dies schon geschafft haben, hat bisher niemand untersucht. So richtig interessiert es auch keinen. Gleichwohl: Als die Spritpreise in ungeahnte Höhen schossen, war es sehr aufmunternd, ganz selten zur Tankstelle fahren zu müssen. Und gerade im Stadt- und Stauverkehr verbraucht man wirklich wenig Kraftstoff und man kann sehen, wie sich beim Bremsen die Batterie des Elektromotors immer weiter auflädt. Neben dem Elektroantrieb gibt es noch den Benzinmotor und einen Stromgenerator. Die drei Aggregate sind in ein großes Gehäuse eingelassen und bilden das von Toyota Hybrid-Synergy-Drive genannte System mit einem Planetengetriebe. Eine elektronische Steuerung überwacht die Arbeit der drei Motoren und sorgt für einen sanften Übergang von Elektro- zu Benzinmotor. Zu Anfang ist es sehr verlockend, im Display die Aktivitäten der jeweiligen Motoren zu beobachten.

 

Nachdem dies zur Routine geworden war, stellte sich ein klitzekleines bisschen Frust bei den Fahrern ein: Das Auto ist einfach so wenig Augenweide wie es technisch brilliert. Seinetwegen hüpft kein Agenturherz höher. Im Gegenteil: Man muss seine ganze Öko-Intelligenz aufbieten, um an dem neuen Wagen optisch Freude zu haben. Doch im weiteren Gebrauch haben wir immer wieder festgestellt, wie zuverlässig und sicher der Prius bei Sonne, Regen oder Schnee fährt und dass man entspannt zu viert darin unterwegs sein kann. Und das (innere) Lächeln über die Ökobilanz macht das fehlende Design wett. Es ist ja nur Transportmittel. Zwar verstummen die Stimmen nicht, die gern erläutern, weshalb der Prius eine ökologische Mogelpackung sein soll. Aber das dürfte vor allem Selbstschutz sein, um das eigene ressourcenvernichtende technische Fossil zu rechtfertigen.

 

 

Wer sich für die CO2-Emissionswerte interessiert: www.toyota.de/cars/new_cars/prius/co2_disclaimer.aspx