Gewinnbringende Fassaden

Autorin: Andrea Hillebrand

 

Das englische Dorf Whitley Bay kurbelt kreativ die Wirtschaft an

 

Ganz schön trostlos wirken leere Ladenlokale. In der Regel geht man schnell daran vorbei. Je nach Zustand der Immobilie vergeht den Passanten sogar die Shoppinglaune. Nicht so in Whitley Bay, einem kleinen Ort an der britischen Nordseeküste. Hier werden die Konsumrelikte zu Eyecatchern.

 

Medien, die über das britische Projekt berichten, ziehen vielfach Potemkinsche Dörfer zum Vergleich heran. Und tatsächlich ist dieser Gedanke – blendet man die soziopolitische Perspektive aus – gar nicht so abwegig. Auch in Whitley Bay wird etwas dekoriert, um den eigentlichen Zustand zu verbergen: Vor leere Ladenlokale werden 3-D-Attrapen schicker und herrlich drapierter Auslagen vor die Scheiben genagelt. Nichtsahnende Passanten merken erst im zweiten Moment, dass es in dem attraktiven Delikatessen-Laden nichts zu kaufen gibt.

 

Und der Erfolg stellt sich ein: Für manche der 49 leerstehenden Geschäfte im Ort gibt es seit langem wieder Interessenten und landesweit haben zahlreiche weitere Städte angeklopft, die ebenfalls ihre Sorgenkinder faceliften möchten. Da braucht der ortansässige Grafiker aus Whitley Bay vermutlich bald Unterstützung.