Kaufrausch - Oder wie Online-Shoppingportale zum Einkauf verleiten

Autorin: Nadja Nickel

 

 

Früher war es einfach, den schönen Dingen des Lebens zu entsagen. Wenn der Geldbeutel mal nicht mitspielte, setzten sich Frauen ein rigoroses Stadtverbot! Denn: Wer nicht an Schaufenstern vorbeikommt, gerät auch nicht in Shopping-Versuchung. So konnte sich die Finanzlage langsam wieder erholen.

 

Doch der letzte Schrei aus Frankreich macht diesen einfachen Mechanismus von einem auf den anderen Moment zunichte. Die Rede ist von sogenannten VIP-Shoppingportalen im Internet, wie brands4friends oder clubsale. Mit über zwei Millionen Mitgliedern und bis zu 10.000 Neuanmeldungen pro Tag gehört das 2007 gegründete Portal brands4friends zu den größten und am schnellsten wachsenden e-Commerce-Communities in Deutschland. Ob Versace, Dolce&Gabbana, Hugo Boss oder Ed Hardy - hier ist alles vertreten, was Rang und Namen hat. Es werden täglich neue Verkaufs-Aktionen einer exklusiven Top-Marke eingestellt. Teilnehmen können ausschließlich geladene Mitglieder, die über den brands4friends-Newsletter über kommende Aktionen informiert werden und exklusive Designermode im Online-Shop kaufen können. Die zuvor angekündigten Aktionen laufen meist nur wenige Tage und sind stark limitiert. Eile ist also geboten, von jeder Größe eines Artikels gibt es nämlich nur eine begrenzte Anzahl. Ein spezielles Gutscheinsytem ist ebenfalls der Garant für weitere Mitglieder und Einkäufe. Wirbt ein Mitglied ein neues, welches dann einen Einkauf tätigt, so bekommt der Werbende einen Gutschein über 8 Euro. Ein perfektes Schneeballprinzip.

 

Werbepsychologisch sind derartige Clubs einfach zu verlockend, als dass frau widerstehen könnte. Zielgruppe sind sogenannte Smart Shopper. Also solche, die durchaus qualitätsbewusst sind und Marken bevorzugen. Entscheidend ist hier nicht ein kleiner Preis, sondern eine möglichst große Ersparnis. Clubs, die nur mit einer Einladung funktionieren, geben dem Käufer zusätzlich das Gefühl, VIP-Status zu besitzen.

 

In der Praxis sieht das dann so aus, dass fleißig neue Freunde, Bekannte und Kollegen eingeladen werden. Man infiziert beispielsweise die Kolleginnen im Agenturhaus mit dem Kaufrausch während der Mittagspause. Wenn die einkaufen, kann man mit Gutscheinen wieder fröhlich Geld verprassen.