Lässt sich über Geschmack streiten?

Autor: Stefanie Neues

 

Klar, aber vor allem kann ein guter Name viel bewirken. In seinem Artikel in der New York Times führt Edward Dolnick verschiedene Beispiele auf, die diese Aussage vor allem in Bezug auf den Lebensmittelmarkt bestätigen. Ein Beispiel: Vor einigen Jahrzehnten war die Fischsorte „Patagonian Toothfish“ in Amerika als billiger Fisch bekannt, den niemand freiwillig kaufte oder im Restaurant bestellte. Nachdem er aber in „Chilean Sea Bass“ umbenannt wurde, startete ein regelrechter Run auf die Sorte, sodass ihr Bestand in den Weltmeeren rapide zurück ging.

 

Und so passiert es auch in unserem täglichen Leben, dass ein guter Name uns im Nu vom Wesentlichen ablenkt. „Wasabi-Apfel“ stand auf der riesigen Frischkäsepackung, die in unserem Agenturhaus allen Mitarbeitern zur Verfügung stand. Völlig angetan stürzten sich die Kollegen – mich eingeschlossen – auf den Brotaufstrich und ließen den anderen mit der Aufschrift „Sweet Chili“ links liegen. „Mmmm, da sind ja Stückchen drin“ schwärmte der Erste. „Wirklich unglaublich dieser Geschmack“, ließ der nächste verlauten. „Und so einzigartig!“, fügte ich hinzu. Schnell entbrannte eine Diskussion nach der Herkunft von Wasabi. „Das ist doch dieses grüne, scharfe Zeug, das man zu Sushi isst.“, „Da gibt es doch diese Nüsse aus dem Asia Laden…“ Als sich die Kilo-Packung schon dem Ende neigte, kam auf langsamen Schritten die ernüchternde Einsicht. „Schmeckt ja auch ein bisschen wie Meerrettich“, stellte jemand fest. Und es stimmte: Hätte ich es nicht gewusst, wäre ich wohl auch bei der Aufschrift „Meerrettich“ auf der Käsepackung nicht stutzig geworden. Aber „Wasabi“ klingt anders, exotisch, aufregend! Und genau das ist der Grund, warum der Aufstrich schon nach kurzer Zeit aufgebraucht war.

Einer meiner Kollegen klärte uns auf: „Wasabi ist eine besondere Meerrettich-Art, nur etwas schärfer. Ich glaube der wächst in Japan.“ Für mich (die dachte, Wasabi wären Nüsse) war das Ganze eine Sensation. Ich musste der Sache auf den Grund gehen. Aus der Mittagspause zurück erfuhr ich bei Wikipedia mehr über die exotische Frischkäse-Zutat:

 

Wasabi (Wasabia japonica syn. Eutrema japonica), auch (botanisch falsch) japanischer Meerrettich, Wassermeerrettich oder (ebenfalls unrichtig) Bergstockrose genannt, ist eine zur Familie der Kreuzblütengewächse gehörende Pflanze, deren Wurzel in der japanischen Küche als scharfes Gewürz dient. Die Pflanze kommt wild nur in Japan und auf der Insel Sachalin vor. Sie gedeiht wild in sumpfigem Gelände am Rand von Fließgewässern, wird aber auch industriell, z. B. auf der Izu-Halbinsel, angebaut.

 

In punkto Streichkäse hat jedenfalls allein der Name dafür gesorgt, was wir aßen. Und genau wegen des Namens steht die Sorte „Sweet Chili“ nahezu unberührt im Kühlschrank. So kann man über Geschmack natürlich nicht streiten.

 

 

Buchtipp zum Thema:

Unverwechselbar. Name, Claim & Marke.

Bernd M. Samland

ISBN 978-3-448-07256-3

Haufe Verlag