Mittagspause in der Waschstraße

Autor: Andreas Tenhafen

 

Als neulich an einem Freitag ausnahmsweise mal die Sonne schien kam ich nicht mehr drum herum: Das Auto musste gewaschen werden. Also opferte ich meine Mittagspause und machte mich auf zu einer großen Waschstraße.

 

Eine geniale Idee, wie sich herausstellte, denn ganz Köln schien an diesem Tag denselben Einfall gehabt zu haben. Die Schlange der wartenden Autos reichte fast bis auf die Straße, gleich daneben schrubbten und saugten unzählige Autobesitzer was das Blech hielt. Kurz dachte ich an Umkehr und eine gemütliche Mittagspause im Café. Aber zu lange schob ich das Unvermeidliche schon vor mir her. Also reihte ich mich ein in die wartenden Fahrzeuge.

 

Überraschenderweise ging es dann schneller als ich dachte. Plötzlich stand ein Waschstraßenmitarbeiter neben meinem Wagen und klopfte an die Scheibe. „Was darf’s denn sein?“, fragte er, woraufhin ich nur ein langgezogenes „Ääähhh“ hervorbrachte. „Basis, Premium, Komplett, mit Unterbodenwäsche, ohne, Heißwachs, spezielle Räderwäsche?“. Was wohl als Entscheidungshilfe gedacht war, verwirrte mich noch mehr. „Komplett“, antwortete ich irritiert. Schnell die 12 Euro bezahlt und los ging’s mit der Vorwäsche.

 

Leicht genervt wies  mich der zuständige Mitarbeiter in die Waschstraße ein. Eine kleine Kurve gefahren und schon machte sich der nächste Kollege mit einem Wasserspritzgerät an meinem Auto zu schaffen. Dann wieder die Aufforderung, nach vorne zu fahren. Erneut klopfte jemand gegen die Scheibe meines Autos. „Ihr Ticket bitte.“. „Verdammt“, dachte ich, „wo ist denn dieser verflixte Zettel?“. Nach kurzer Suche fand ich ihn schließlich im Fußraum des Beifahrersitzes und ich durfte einfahren in den vollautomatischen Teil der Waschanlage.

 

„Endlich allein“, dachte ich. Nur ich, riesige Textilbürsten und Wasser, viel Wasser. Ich legte meinen Kopf nach hinten und genoss diesen exklusiven Moment. Leider dauerte er nicht allzu lange. Die Heißlufttrocknung setzte der Idylle ein Ende. Dann schaltete die Ampel auf grün und ich fuhr zurück ans Tageslicht. „Jetzt noch innen sauber machen und dann wäre das auch mal wieder erledigt“, dachte ich. Doch weit gefehlt: Wieder musste ich mich anstellen. Diesmal bei den Staubsaugerplätzen. Seit diesem Tag steht fest: Die nächste Komplettreinigung meines Wagens wird bei trübem Wetter gemacht. Und ganz bestimmt nicht freitags. Und auch nicht in der Mittagspause.