PR 2.0

Autor: Timo Einheuser

 

Bevor ich auf die Frage, was ich in meinem Job eigentlich so tue, mit weitschweifenden Erklärungen beginne, verwende ich lieber das bekannte Zitat von Heinrich Alwin Münchmeyer: „Wenn ein junger Mann ein Mädchen kennenlernt und ihr erzählt, was für ein großartiger Kerl er ist, so ist das Reklame. Wenn er ihr sagt, wie reizend sie aussieht, so ist das Werbung. Wenn sie sich aber für ihn entscheidet, weil sie von anderen gehört hat, er sei ein feiner Kerl, so sind das Public Relations.“ Logisch, oder?

 

Der Autor lebte von 1908 bis 1990, also in einer Zeit, in denen Internet und Web 2.0 noch in den Kinderschuhen steckten und sicher keine Werkzeuge für die PR waren. Heutzutage entstehen im Netz immer neue Kommunikationsformen, die auch in der Öffentlichkeitsarbeit vielfältige Möglichkeiten zur „Gestaltung guter, positiver und fruchtbarer Beziehungen einer Unternehmung zur Öffentlichkeit“ (Wikipedia) bieten.

 

Wenn heute also ein internetaffiner, junger Kerl die Gunst eines reizenden Mädchens gewinnen will, welche Instrumente stehen ihm zur Verfügung?

 

Zunächst muss der junge Kerl einige Ausgangsfragen beantworten: Was ist meine Zielgruppe (Mädchen) und ist sie überhaupt internetaffin (ja)? Was ist das Hauptinteresse meiner Zielgruppe (sucht feinen Kerl)? Was macht die Konkurrenz (schläft nicht)? Nun hat der junge Kerl zwei Möglichkeiten: Er kann selbst aktiv werden und dem Mädchen Neuigkeiten über sich in Form von E-Mails, elektronischen Pressemitteilungen und anderen so genannten „Pushdiensten“ schicken, oder er gibt ihr die Möglichkeit, selbst mehr über ihn in Erfahrung zu bringen. Zu den entsprechenden „Pulldiensten“ gehören eine ansprechende Homepage, ein schön gestalteter E-Newsletter oder RSS-Feeds. Der junge Kerl hat viel von sich und seinen guten Eigenschaften zu erzählen und möchte auch wissen, was die Mädchen über ihn denken. Im Blog, seinem Internettagebuch, gibt es täglich Neuigkeiten aus seinem Leben. Was ihn im Augenblick bewegt, teilt er knapp und mit 140 Zeichen bei Twitter mit. Im Audiopodcast erzählt er, was er denkt und fühlt. Das Mädchen hört seine Stimme gerne. Die tollen Fotos und das Videopodcast zeigen, was für ein hübscher Kerl er ist. Aber das Mädchen ist immer noch nicht überzeugt. Der Kerl startet eine Guerilla-Kampagne und plötzlich ist er ihr sympathisch, ohne dass sie so recht weiß, wieso. Sie sucht ihn bei Google und findet ihn gleich. Was sie nicht weiß, der Kerl kennt sich aus mit Suchmaschinenmarketing. Auch bei XING, Facebook, StudiVZ, myspace und wer-kennt-wen und vielen anderen Webseiten trifft sie ihn und liest dort überall, was für ein feiner Kerl er ist. Es ist vollbracht, sie will ihn haben. Nur wie? Ganz einfach mit nur einem Klick!

 

Ganz schön viel Aufwand für den jungen Kerl und jede Menge Fettnäpfchen, in die er dabei treten kann. Aber die Anstrengung lohnt sich: Wenn er seine Sache gut macht, wird er nicht nur die Gunst dieses einen Mädchens gewinnen.