Radio und TV zum Selbermachen
Podcasting hat Potenzial
Für ihre Fans ist Annik Rubens so etwas wie die Königin des Internets. Unter dem Titel „Schlaflos in München“ unterhält sie ihre Fangemeinde jeden Tag mit einer Episode aus ihrem Alltag – vom Frühjahrsputz über Hustenbonbon- Lutschen bis zur Gesichtshaarentfernung. Die Geschichten sind nicht zum Nachlesen, sondern zum Nachhören per Audiodatei. Mehr als 8.000 Menschen hören sich Woche für Woche an, was die 31-Jährige in ihrer Internet-Audiokolumne erzählt. Podcasting heißt diese noch relativ junge Form der Internetkommunikation, die auch neues PR-Potenzial bietet.
Beim privaten Podcasting werden ganz normale Menschen wie Annik Rubens zu Radiomoderatoren. Sie stellen ihre Sendungen und Audioschnipsel kostenlos ins Netz, mit Themen so bunt wie das Leben. Da berichtet Claudia Marschner in „Berlin von unten“ über ihren Alltag als Bestatterin, bei „German Poems“ gibt es klassische deutsche Lyrik, und in „Wanhoffs wunderbare Welt der Wissenschaft“ erklärt Podcaster Thomas Wanhoff „mathematische Klingeltöne, Beutelteufel und Asteroiden, die eigentlich Kometen sind“.
Zur Produktion eines Podcasts braucht man kein Studio – es reichen ein Laptop mit Audiokarte, ein Mikrofon, eine DSL-Leitung und etwas Speicherplatz. Wer seinen Beitrag im MP3-Format aufgezeichnet hat, bietet ihn mittels einer speziellen Technik – des so genannten RSS-Feeds – im Internet an. Der Hörer lädt die Audiodateien dann mit einem passenden Programm, dem so genannten Podcaster, auf seinen MP3-Player.
Mutterland des Podcastings ist – natürlich – Amerika. Ende 2004 begann dort die Verbreitung der neuen Technologie signifikant zu steigen. Mit der üblichen Verzögerung erreichte der Trend schließlich auch Deutschland. Heute listet die Internetplattform www.podster.de rund 5.000 deutsche Podcasts auf. Ende 2005 waren es gerade einmal 120.
Klar, dass die etablierten Medien auf den Zug aufgesprungen sind und ihrerseits News und Storys als Podcasts anbieten. Und auch die PR-Branche entdeckt Podcasts allmählich als neues Instrument in der Unternehmenskommunikation, um über neue Produkte zu informieren oder Nachrichten zu verbreiten; gerne auch visuell in Form eines Video-Podcasts. Die Vorteile liegen auf der Hand: einfache und kostengünstige Produktion, direkte Zielgruppenansprache. Wie beim Bloggen entfällt der Journalist als Gatekeeper.
Bundeskanzlerin Angela Merkel hat das alles früh erkannt und erklärt den Deutschen schon seit Anfang Juni 2006 jeden Samstag per Video-Podcast welt- und innenpolitische Zusammenhänge. Damit war sie bei der Nutzung dieses Mediums übrigens schneller als George W. Bush und alle anderen Regierungschefs auf dem Globus.
Autor: Andreas Tenhafen




