Sparen Sie zwei Stunden Zeit!

Autor: Nanett Dietz

 

Statt Tatort gab es bei mir am gestrigen Sonntagabend eine echte Leih-DVD aus der Videothek: „39,90“ (Neununddreißigneunzig). Vor neun Jahren war das gleichnamige Buch von Frédéric Beigbeder ein Bestseller, das mir Werber in Auszügen gern vorgelesen haben. Es war nicht so mein Geschmack, da es aus meiner Sicht irreal, klischeehaft, gewollt exzessiv und gefühllos ist. Von der Verfilmung durch Ex-Werbefilmer Jan Kounen hingegen hatte ich noch gar nichts gehört – bis die DVD mir am Samstagabend in die Hände fiel.

 

Die Handlung: Werbetexter Octave Parango wird in einer renommierten Werbeagentur in Paris fürstlich für seine Kreativität entlohnt. Er ist dort ein cooler Szenetyp, der immer einen Spruch parat hat und damit er das auch perfekt hinkriegt, kokst er leidenschaftlich viel. Fast aus Langeweile greift er sich eines Tages Media-Einkäuferin Sophie. Für ihn ist es vor allem Spiel, Beschäftigung, Sex. Umso irrealer ist es für ihn, als sie einen positiven Schwangerschaftstest präsentiert. Seine Reaktion ist komplett unpersönlich und er sieht sie nie wieder.

Als nächstes versucht Octave zu kündigen, steckt aber doch seine goldene Firmenkreditkarte wieder ein und merkt: So ein cooler, unabhängiger kreativer Macker ist er gar nicht. Und kokst. Realität, Traum und Drogentrip lassen sich immer weniger auseinanderhalten bis Octave zugedröhnt zusammenbricht. Als er wieder einsatzbereit ist, springt er nach einem Kundenmeeting vom Hochhaus und ist tot.

 

Was für mich am Film bewerkenswert war: die filmerischen Mittel. Jede Menge Illustrationen, die in die Filmsequenzen eingebaut wurden. Ansonsten hatte er mit der Realität, wie ich sie kenne, weniger als nichts zu tun und liefert einfach nur die absurde Gleichung: Werber = Kokser. Das soll eine Parodie sein?

 

Wer nicht intensiv an filmischen Effekten interessiert ist, kann einfach zwei Stunden und ein paar Euro sparen. Leihen Sie den Film nicht aus. Es gibt bestimmt tausend andere Alternativen zum sonntagabendlichen Tatort in der ARD.