Weingenuss unter Verschluss
Es schrieb und fragte: Christiane Stoltenhoff
Was Weine so beeinflusst
Vor einer Woche stand ich vor dem Weinregal in meinem Supermarkt und konnte mir ein Kopfschütteln nicht verkneifen. Verstaubte Flaschen, von der Deckenbeleuchtung ins rechte (oder besser schlechte) Licht gesetzt, sollten Lust auf leckere Tropfen machen. Nun bin ich ehrlich gesagt kein regelmäßiger Weintrinker, als Kölner vielmehr – wie könnte es anders sein? – eher Biertrinker. Da ich aber in der Agentur mit Kunden aus der Weinbranche zu tun habe, wusste ich, hier ist ein Gutteil der Todsünden rund um die Weinlagerung versammelt.
Zugegeben, eine Anleitung zur richtigen Weinlagerung könnte ich us d’r Lamäng, wie der Kölner sagt, auch nicht liefern. Also habe ich Sommelière Nina Randel von meinem Supermarkterlebnis erzählt und in Sachen Weinaufbewahrung befragt.
Christiane Stoltenhoff (CS): Was sind die häufigsten Fehler bei der Weinlagerung?
Nina Randel (NR): Drei Fauxpas hat der beschriebene Supermarkt begangen: Zu lang, zu hell, zu warm. Ergänzen lässt sich diese schwarze Liste noch um: zu unruhig, zu kurz, in der falschen Position und am falschen Ort. Was dabei ein Zuviel oder Zuwenig ist, hängt vom jeweiligen Wein ab: Rebsorte, Herkunft, Jahrgang, Ausbau und Verpackung entscheiden über seine Lagerfähigkeit oder auch sein Lagerbedürfnis. Grundsätzlich gilt: Rotweine altern besser als Weißweine oder Rosés, brauchen aber auch mehr Zeit, bis sie trinkfertig sind.
CS: Welche Temperaturen sind denn ideal?
NR: Die Lagertemperatur entscheidet über das Tempo des Reifungsprozesses, der in der Weinflasche abläuft. Je wärmer, desto schneller. Als ideal gilt eine ganzjährige Kühle von acht bis zwölf Grad. Kaum zu bewerkstelligen, werden Sie denken. Stimmt. Deshalb bitte wenigstens häufige und große Temperaturschwankungen vermeiden.
CS: Und wie steht’s mit dem Lichteinfall?
NR: Da sind Rote, Weiße und Rosés wenig tolerant. Wein sollte über einen längeren Zeitraum immer im Dunkeln oder zumindest vor UV-Licht geschützt aufbewahrt werden, weil das Licht auch durch dunkelstes Flaschenglas hindurch Farbe und Aromen angreift. Wer sein Weinlager mangels Alternativen in der Wohnung einrichten muss, kann das – unbeheizte! – Schlafzimmer und dort den Kleiderschrank (dunkel!) als Weinquartier nehmen. Auf jeden Fall sollten die guten Tropfen liegen, damit Verschlüsse aus Naturkork nicht austrocknen.
CS: Muss Wein überhaupt gelagert werden?
NR: Nein. Lediglich fünf Prozent der produzierten Weine haben Lagerpotenzial. Das heißt: Sie brauchen noch, je nach Rebsorte und Ausbau, mehr oder weniger viel Zeit in der Flasche, um ihre geschmackliche Mitte zu finden. Bei Weinen aus dem Supermarkt oder vom Discounter ist das kein Thema. Sie können – oder besser sollten – im selben Jahr getrunken werden, in dem sie auf den Markt kommen.
siehe auch: www.nina-randel.de




