Working Mum
Autorin: Andrea Hillebrand
Drei Ausstellungen in Berlin widmen sich Miss Preußen
Mit siebzehn Jahren heiraten, im Laufe der Ehe sieben Kinder großziehen, vor politischen Gegnern fliegen und dann schon mit 34 Jahren sterben. Das hört sich nach einem harten und wenig glamourösen Leben an.
Eine beliebte Königin sein, Verantwortung über das gesellschaftliche Leben am Hofe tragen und sowohl von Napoleon Bonaparte als auch Zar Alexander dem I. geschätzt, wenn nicht sogar verehrt zu werden, klingt wiederum äußerst glamourös und aufregend.
Beide Beschreibungen treffen auf ein und dieselbe Frau zu: Luise Auguste Wilhelmine Amalie, Herzogin zu Mecklenburg und spätere Königin von Preußen. Anlässlich von deren 200. Todestag werden in Berlin bis Oktober drei Ausstellungen präsentiert. Beworben werden diese mit Plakaten, worauf folgende, vielsagende Schlagworte zu lesen sind: Working Mum, It-girl und Fashion Victim.
Die erste, Working Mum, die unter dem offiziellen Titel: LUISE. LEBEN UND MYTHOS DER KÖNIGIN noch bis Ende Mai im neuen Flügel von Schloss Charlottenburg gezeigt wird, konnte ich mir bei meinem letzten Berlin-Trip ansehen. Meine Hoffnung war, nach dem Besuch der Ausstellung das Phänomen Königin Luise, die einhellig als bedeutende Frau der deutschen Geschichte beschrieben wird, besser zu verstehen. Laut Audio-Guide entspricht das auch dem erklärten Ziel der Ausstellungskonzeption.
Um schon das Fazit vorwegzunehmen: Besonders revolutionär ist die Ausstellung nicht. Im ersten Teil wird den Besuchern die Biographie Luises auf konservative Weise näher gebracht. Der zweite Teil behandelt den Mythos, der sich um die Königin als Märtyrerin Preußens rankt. Verstanden habe ich, dass ihre historische Bedeutung weit über den Einfluss hinaus reichte, den sie als Königin von Preußen hatte. Tiefer geht die Deutung allerdings nicht und ich hoffe nun anhand der Biographie von Heinz Ohff „Königin Luise von Preußen. Ein Stern in Wetterwolken“ mehr zu erfahren.



